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François Villon Texte
Freie deutsche Nachdichtungen von Paul Zech

Notwendige Nachschrift, mein Begräbnis betreffend
 
Da ich nun doch zur Erde wieder faulen muß,
aus der ich einmal grün nach oben schoß;
so möchte ich in Saint-Avayl begraben sein.
Ich habe dieses Nest vor Jahren schon
mir auserwählt. es ruht dort auch mein Sohn
Armand, der leider nur mit einem Bein
zur Welt kam und am vierten Tag sich vom Herrn
versetzen ließ auf einen andren Stern.

In dem besagten Dörfchen also soll man mir
die Grube machen, wenn ich hier krepier.
Und wenn es möglich ist, soll einen Pflaumenbaum
man mir zu Füßen pflanzen. Bloß keinen Block
aus Marmor auf den Schädel tun ... mein Rock
ist viel zu sauber für den Schaum
der sogenannten Ehre. Außerdem
wär's auch zu schade für den schönen Lehm.

Auf einem grauen, nicht zu kleinen Stein
vom Feld gleich nebenan, soll kurz und klar geschrieben sein,
wer unten fault und was er so im Leben war.
Nur nicht mit goldnen Lettern, nein, nehmt Teer
und schreibts mit einem Besenstiel daher.
Dann wird vielleicht im Jahr
Zweitausend des Herrn Jesu Christ,
die Welt noch wissen, wer Villon gewesen ist.

Schreibt einfach so: Hier ruht in seinem eigenen Dreck,
in seinem letzten heimlichsten Versteck,
ein armer Teufel, ein Vagant:
F r a n ç o i s  V i l l o n  genannt.

Er hatte nie ein eigen Dach
sein Lebtag überm Kopf gehabt.
Er schritt dahin, zerbeult und abgeschabt,
den Fürsten zum Gespött, den Pfaffen zum Verlach.
Er gab den Armen hin, was er besaß,
und gibt sich jetzt den Maden noch zum Fraß.

 

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zuletzt aktualisiert am 02.03.2001