[Triptychon] [Boris Vian] [François Villon] [Links] [Autor] [] [Kontakt]
[Klaus Kinski]: Biographie Nachrufe Bühne Jesus Tonträger Filme Bücher Texte

 
Klaus Kinski - Nachrufe
 

Michael Fischer
Was die Leinwand hergab
Zum Tod von Klaus Kinski
Basler Zeitung vom 27.11.1991

"Fuck you! Ich habe euch nichts zu sagen", kanzelte er gewöhnlich Journalisten ab und posaunte dennoch sein ganzes Leben lang seinen Gemütszustand in die Welt hinaus. Klaus Kinski war ein dem Kleinbürgertum Entkommener, der zum hochdotierten Weltstar aufgestiegen war. Seine Lieblingsrolle: das Genie. Als Klaus Gunther Nakszynski am 18.10.1926 in Zoppot geboren, kam er als Emigrantenkind nach Deutschland, wo er sich früh beim Theater rumtrieb und, nach Engagements in der Provinz, in Berlin als die Hoffnung des deutschsprachigen Theaters galt. Anfang der sechziger Jahre fuhr er allein mit einer Handvoll klassischer Monologe durchs Land und wusste als "Dämon der Sprache", wie ein Kritiker schrieb, sein Publikum zu erschrecken oder zu erschüttern. Bereits damals war er einem kreischenden Narzissmus verfallen, suchte in den vielfältigen Verkleidungen des Schauspielers immer nur sich selbst zu spielen, spielte dabei am liebsten den Schwierigen. Im Sog eines frühen Starrruhms trieb Kinski dermaßen Raubbau an seinen künstlerischen Kräften, dass ihm der damalige sieche deutsche Film nur Rollen in der Edgar-Wallace-Serie bot. Da wurde er zum augenrollenden, hauchenden, böswilligen Stammgast. Diese zum Markenzeichen gewordenen Manierismen konnte er fortan in anspruchslosen Abenteuerfilmen internationaler Herkunft und in Spaghetti-Western austoben, von denen Leichen pflastern seinen Weg am nachhaltigsten haftet. Ehe er mit Sergio Leone drehte, hatte er auf seine zugleich arrogante wie vulgäre Art Angebote von Fellini, Pasolini und Visconti wegen zu geringer Gagen abgelehnt. Die künstlerische Wende brachte Kinski erst der grüblerische deutsche Autorenfilmer Werner Herzog, in dessen Werken Aguirre, Nosferatu, Woyzeck und Fitzcarraldo Kinski lebte und litt. Herzog forderte den Exzentriker dermaßen, dass die beiden sich buchstäblich vor und hinter der Kamera prügelten. Der Star drehte alles, was die Leinwand hergab, und ließ auch sonst nichts aus; der Vater zweier Töchter und eines Sohns breitete in diversen Büchern sein Sex-Leben in Illustriertenmanier aus. Klaus Kinski gelang es schließlich, die Grenze zwischen Spiel und Leben aufzuheben, er war, seinem Bild getreu, in Rom, Paris und Amerika zu Hause, ein Weltbürger, der in vielen Sprachen radebrechte und in Fernsehtalkshows rund um den Erdball fuchtelnd, rauchend, vorlaut versuchte, sein Innerstes nach außen zu kehren. Vergangenen Samstag starb der solchermaßen frühvergreiste Schauspieler in Los Angeles eines natürlichen Todes.

 

Suchen im Triptychon:

 

 Triptychon Boris Vian François Villon Klaus Kinski Links Autor Gästebuch Kontakt
zuletzt aktualisiert am 04.10.2001