[Triptychon]  [Boris Vian]  [François Villon]  [Links]  [Autor]  [Kontakt]
[Klaus Kinski]: Biographie Nachrufe Bühne Jesus Tonträger Filme Bücher Texte

Klaus Kinski - Filme

Woyzeck

Woyzeck

BRD 1978

Woyzeck
      Woyzeck bei amazon bestellen

Genre: Drama

Regie: Werner Herzog

Drehbuch: Werner Herzog nach dem Bühnenfragment von Georg Büchner

Darsteller: Klaus Kinski (Woyzeck), Eva Mattes (Marie), Wolfgang Reichmann (Hauptmann), Willy Semmelrogge (Doktor), Josef Bierbichler (Tambourmajor), Paul Burian (Andres), Volker Prechtl (Handwerksbursche), Dieter Augustin (Marktschreier), Irm Hermann (Margret), Wolfgang Bächler (Jude), Rosy-Rosy Heinikel (Käthe), Herbert Fux (Unteroffizier), Thomas Mettke (Wirt), Maria Mettke (Wirtin)

  Woyzeck

Kamera: Jörg Schmidt-Reitwein

Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus

Musik: Fiedelquartett Telc und Antonio Vivaldi, Benedetto Marcello

Farbe: Eastmancolor

Dauer: 82 Minuten

Uraufführung: 22.5.1979 Internationale Filmfestspiele Cannes

Woyzeck

Inhalt: WOYZECK ist eine nahezu wortgetreue Verfilmung des gleichnamigen Dramenfragments von Georg Büchner. In einer kleinen Garnisonsstadt Mitte des 19. Jahrhunderts müht sich der Füsilier Franz Woyzeck, seine Geliebte Marie und ihr gemeinsames Kind zu ernähren. Der Militärdienst ist hart und stumpfsinnig, der Sold reicht nicht aus, die Vorgesetzten verhalten sich roh und gemein. Woyzeck rasiert den Hauptmann, der ihm Vorhaltungen wegen des unehelichen Kindes macht und sich selbst als moralisches Vorbild hinstellt: "Moral, das ist, wenn man moralisch ist, versteht Er." Der Doktor gebraucht Woyzeck zu medizinischen Experimenten und verspricht ihm dafür mehr Geld. Er läßt Woyzeck ein Vierteljahr lang nur Erbsen essen und weist seine Studenten auf das immer dünner werdende Haar hin: "Er ist ein interessanter casus." Woyzecks Geist wird beherrscht von Visionen des Schrecklichen, das auf ihn zukommt. Er bringt Marie Geld und hetzt weiter, hat nicht einmal Zeit, sein Kind anzuschauen. Marie läßt sich mit dem (nicht allzu) feschen Tambourmajor ein und erhält dafür zwei Ohrringe zum Geschenk. Der ahnungslose Woyzeck schöpft keinen Verdacht, bis der Hauptmann und der Doktor sich den Spaß machen, ihm davon zu erzählen. Woyzeck kann nicht einschlafen und phantasiert vom "Totstechen". Er verschenkt seine Habseligkeiten und kauft ein Messer. Am Abend geht er mit Marie am Teich spazieren und sticht wie im Rausch auf sie ein. Die Leute im Wirtshaus entdecken Blut an seinem Arm. Woyzeck läuft zurück zum Teich und ertrinkt bei dem Versuch, das Blut abzuwaschen und das Messer noch tiefer im Teich zu versenken.
Der Film wird beherrscht von der Figur des Franz Woyzeck. Wie es die von Herzog verwendete Fassung des Dramenfragments vorgibt, ist der Hauptdarsteller Klaus Kinski in fast allen Einstellungen zu sehen. Er führt sehr eindringlich einen verängstigten, gehetzten und nahezu willenlosen Prügelknaben vor, der das Mitleid des Zuschauers erweckt. Die Kamera zeigt in langen Einstellungen, wie Woyzeck auf dem Kasernenhof "geschliffen" wird, wie der Hauptmann seine "Moral" auf ihn niederprasseln läßt, wie der Doktor ihn als menschliches Versuchskaninchen mißbraucht. Woyzeck kann sich nicht wehren; er ist der Untergebene des Hauptmanns, er braucht das Geld des Doktors, um Frau und Kind zu ernähren. Also leidet er - und das zeigen eindrucksvoll einige Großaufnahmen von Kinskis Gesicht.
Herzog war von der Sprachgewalt des Bühnenfragments und von der Figur des Woyzeck fasziniert, die in ihrer existenziellen Lebenssituation seinen übrigen Filmfiguren ähnelt. Die Inszenierung ist um strikte Werktreue bemüht. Der Film bleibt ganz dicht am Text, kaum ein Wort wurde geändert oder weggelassen, nur die Dialoge einiger Nebenfiguren im Film wurden gestrichen. Die Räumlichkeiten sind mit naturalistischer Akribie ausgestattet. Die Kamerabewegungen und die gesamte Inszenierung bleiben sparsam, der lückenhafte Aufbau des Fragments wird nicht mit "filmischer Füllhandlung" überdeckt.

Kritik: Der Film schildert uns anderthalb Stunden lang das Gesicht eines sehr bekannten Schauspielers namens Klaus Kinski. (...) Zumeist gibt es nur Kinski en face in diesem Film, des Schauspielers Blick ist dann meist starr nach schräg oben gerichtet, aber dort ist nichts, keine Transzendenz, sondern nur die Filmleinwand zuende.
Wolfgang Ignee in: Stuttgarter Zeitung, 25.5.1978

Kinski spielt das mit einer ungeheuren Intensität, die weit entfernt ist von bloßer Schauspielerei. (...) Sein physischer Einsatz prägt den Film mindestens so stark wie die Inszenierung von Herzog. (...)
Wenn er (Herzog) seinen Film übergangslos mit harten Schnitten blockartig aufgliedert, dann ist er enger an Büchners Fragment als wenn er dessen Unvollendetheit mit weichen Übergängen kaschieren würde; zumal ja wirklich die Frage ist, ob nicht der Fragmentcharakter der schmerzlichste Aspekt von Wahrheit an diesem Stück ist.
Peter Buchka in: Süddeutsche Zeitung, 29.5.1978

Das Brodeln unter der Oberfläche der Idylle wird nicht sichtbar, mißt man Herzogs Film an vielen Bühneninterpretationen Büchners. Mißt man ihn allerdings an der deutschen Filmproduktion, so gehört er immer noch zu den achtbaren Arbeiten, über die zu diskutieren lohnt, auch wenn man mit Herzogs Sicht nicht einer Meinung ist.
Volker Baer in: Der Tagesspiegel, Berlin, 24.5.1978

 

Suchen im Triptychon:

 

Triptychon  Boris Vian  François Villon  Klaus Kinski  Links  Autor  Kontakt
zuletzt aktualisiert am 01.11.2001