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Klaus Kinski - Filme
 

Für ein paar Dollar mehr

Per qualche dollaro in più

= Für ein paar Dollar mehr
= La muerte tenía un precio
= Por unos pocos dólares más
= For a Few Dollars More

Italien/Spanien/BRD 1965

Genre: Italo-Western

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni

Darsteller: Clint Eastwood (Monco), Lee Van Cleef (Colonel Mortimer), Klaus Kinski (Wild), Gian Maria Volontè (Indio), Rosemarie Dexter (Schwester des Colonels), Josef Egger (Prophet), Luigi Pistilli (Groggy), Mario Brega (Nino), Werner Abrolat (Slim), Tomás Blanco, Roberto Camardiel, Mara Krupp, Sergio Mendizábal, Mario Meniconi, Panos Papadopoulos, Diana Rabito, Lorenzo Robledo, Luis Rodriguez, Aldo Sambrell, Benito Stefanelli, Giovanni Tarallo

Produzent: Alberto Grimaldi

Kamera: Massimo Dallamano, Aldo Ricci

Schnitt: Eugenio Alabiso, Giorgio Serralonga

Musik: Ennio Morricone

Farbe: Technicolor

Sprache: Italienisch

Dauer: 130 Minuten (Italien), 121 Minuten (BRD), 128 Minuten (GB)

Uraufführung: 25. März 1966

Inhalt: Ein Jahr nach seinem Überraschungserfolg "Für eine Handvoll Dollar" (1964) drehte Sergio Leone mit Clint Eastwood und Lee Van Cleef als Kopfgeldjäger Monco und Colonel Mortimer, Gian Maria Volontè als psychopathischen Bösewicht Indio und Klaus Kinski in einer Nebenrolle als der bucklige Wild den zweiten Teil der berühmten "Dollar"-Trilogie.
Monco und Mortimer begegnen sich auf der Jagd nach einem Banditen. Monco ist schneller und kassiert die Kopfprämie von 2500 Dollar. Indio ist gerade von seiner Bande aus dem Gefängnis befreit worden und will die Bank von El Paso ausrauben. Auf seinen Kopf ist eine Prämie von 10.000 Dollar ausgesetzt. Monco und Mortimer sind beide scharf auf das Kopfgeld, Mortimer auch auf den Kopf von Indio, weil der sich einst an Mortimers Schwester schadlos hielt und sie dann getötet hat - mal zusammen, mal gegeneinander arbeiten sie von daran, die versammelte Lösegeldprämie (Indio plus Bande) in die eigene Tasche zu bringen. Monco schleicht sich in Indios Bande ein, doch der Bandit misstraut dem Neuen und schickt ihn mit ein paar Männern fort. Monco legt die Begleiter um und reitet nach Santa Cruz, um Indios Bande eine Falle zu stellen. Indio raubt die Bank aus, Mortimer hilft ihm, den Safe zu knacken. In Santa Cruz treffen alle zusammen und es kommt zum Gemetzel.

Kritik: Mit "Für eine Handvoll Dollar" hatte Leone den Italowestern zu einer lukrativen Sache gemacht - seine radikale Umformung des Westerns in ein absurdes Ritual aus schwarzem Humor, genüßlicher Gewalt und irisierender Musik war zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Dennoch ließ der erste Film der Dollar-Trilogie nur ahnen, was in Leone als Regisseur steckte - erst mit "Für ein paar Dollar mehr" zeigte der Regisseur, wie er sich sein Kino vorstellt.
Das beginnt noch vor dem Vorspann: ein Pfeifen, die Totale einer Landschaft mit einem einsamen Reiter. Kaum hat sich der ein Stück Wegs vorgearbeitet, reißt ihn ein Schuß vom Pferd - und der Titel kommt. Das hat mit der Handlung Null zu tun, setzt aber genau die Stimmung für das, was folgt: vertrocknete Landschaften, wortfaule Komik und der Moment, in dem die aufgestaute Spannung sich in einem Schuß entlädt. War Für eine Handvoll Dollar noch zusammenhängend gestaltet, geht Leone jetzt zu seiner bevorzugten Inszenierungsweise über: eine Serie von unabhängigen Kabinettstückchen aus Gewalt, Witz, Oper, Beleidigung und Schweißtropfen, die mehr nebenher eine Art Handlung formen. Das übrigens nicht ohne Selbstironie: Einmal schickt Colonel Mortimer Monco mit Indios Bande nach Norden, Monco will sie prompt nach Süden reiten lassen, Indio entscheidet sich also für Osten - wo sie Colonel Mortimer schon erwartet und eine schöne Serie nicht ganz lupenreiner Assoziationen vorlegt, die sein Hiersein erklärt. Das ist nicht besonders logisch, aber es macht Sinn, wenn man den Film als Spiel begreift - und das ist er letztendlich auch.
Tatsächlich bieten alle Handlungswendungen immer wieder nur Vorwände, um auf einen Höhepunkt zuzusteuern - das nächste Duell lauert immer schon um der Ecke, der nächste Witz auch. Mit Für ein paar Dollar mehr treibt Leone die Grundidee seiner Westernumschreibung voran: anstelle von Helden gibt es nur mehr bounty killers - die "Guten" hier töten, um zu leben. Und ihr Verhalten ist dementsprechend: In einer der witzigsten Szenen des Films schießen Eastwood und Van Cleef minutenlang die Hüte zuerst von des anderen Kopf und dann immer weiter weg, um sich gegenseitig zu demütigen. Das ist beiden aber kein Wort wert (und jeder Andere hätte von ihnen vermutlich eine Kugel in den Rücken bekommen - geht aber nicht, weil beide noch für die Handlung gebraucht werden): Nicht zuletzt das Understatement im Spiel von Eastwood (der gegenüber dem Vorgänger einiges an Selbstironie dazugelernt hat) und van Cleef gibt die Devise aus - das Duell ist das Grundprinzip der Handlung, seine Abwicklung erfolgt in einer Mischung aus kalter, schöner Funktionalität und niederträchtiger Ironie. Für den nötigen Schuß Sadismus sorgt Gian Maria Volontè als Indio - immer knapp vorm nächsten Meuchelmord gibt es für ihn nur noch kurze Ruhemomente, wenn er sich zwischendurch einen abgefuckten Joint zur Beruhigung reinzieht. Es gibt keine Gutmenschen in Leones Dollar-Universum - nur noch Abstufungen an Gewaltbereitschaft.
Das allerdings gilt für alle Filme der Dollar-Trilogie: Den großen Schritt vorwärts zeigt hier die gewonnene Sicherheit in der Inszenierung. Mit sicherer Hand vermischt Leone hier einzelne Vignetten zum ganzen: sei es die wunderschön getimte Szene um den Bankeinbruch, sei es die köstliche Nebenrolle von Klaus Kinski , der sich mit Lee van Cleef verfeindet, als dieser ein Streichholz an seinem Buckel anreibt - all das ist in sich geschlossen inszeniert, mit Leones Vorlieben für exzessive Verzögerung durch Nahaufnahmen zusammengebunden. Man könnte durchaus szenenweise Stücke aus diesem Film entfernen, ohne das es der Handlung abträglich wäre - den Stil machte man dadurch kaputt. Hier zeigt sich nämlich zum erstenmal des Regisseurs außerordentliches Gespür für Timing (nicht umsonst meinte er später einmal der Hauptdarsteller seiner Filme sei die Zeit): in der abwechselnden Bevorzugung von Gewalt und Komik gibt Leone diesem Film seinen eigentümlichen Ton. Die Komik des Vorgängers wird hier nämlich ausgebaut zu einer prallvollen komischen Oper: Szenen schieben sich ein, in denen alte Männer mit lebendigen Bärten den vorbeifahrenden Zug überschreien oder wo von gigantischen Sombreros umrahmte Pistoleros ihre furchtlose Miene angesichts der Schießkünste von Monco und Mortimer verlieren. Daß die zweite, fast ausschließlich nachts spielende Hälfte den unbekümmerten sardonischen Humor des ersten Teils ablegt, deutet nicht nur auf spätere Filme des Regisseurs voraus - zum ersten Mal erlaubt sich Leone auch die von ihm so geliebte ausgedehnte Rückblende, die die Funktion von Indios Spieluhr erklärt - und den Grund, warum Mortimer ihn verfolgt.
In dieser Spieluhr bündeln sich auch die Vorzüge von Leones zweiten Film: Nicht nur ist sie ein clever ausgedachtes Gadget, das letztendlich die Handlungsepisoden zusammen (und auf den zwingenden Showdown zu) führt, sie gibt auch Anlaß für Morricone , seine bereits im Vorgänger revolutionäre Musik auszubauen. Rund um die Melodie der Uhr orchestriert er die Duellszenen und überlegt das Geklingel mit Gitarrenstakkatos und Rhythmusgruppen, die das Metronom für die genüßlich ausgewalzten Nahaufnahmen schweißdurchtränkter Gesichter geben und Leones hervorragende Schnittarbeit zusätzlich intensivieren. Mit Für ein paar Dollar mehr gelang Leone endgültig die Emanzipation von alten Mustern - auch wenn der Film noch ein paar kleine Schwächen hat (eine gewisse Unausgewogenheit zwischen den zwei Hälften, ein schreckenerregend hohl klingender Moment, in dem Monco davon erzählt, daß er sich mit dem gemachten Geld zur Ruhe setzen will), ist er der erste wirklich ausgereifte Film seines Regisseurs.
Christoph Huber, Filmdatenbank videoFreak

Wie ein Tornado war 1964 die Ankunft des Italo-Western über deutsche Karl-May-Seligkeit und amerikanische Edelproduktionen hereingebrochen und hatte mit seinem und hatte von hier auf jetzt die Signale auf eine andere, härtere Zukunft gestellt. Der große Kassenerfolg von "Für eine Handvoll Dollar" konnte nicht ohne Fortsetzung bleiben und Sergio Leone legte im Jahr darauf mit Hauptdarsteller Clint Eastwood und Komponist Ennio Morricone tüchtig nach.
"Für ein paar Dollar mehr" greift die Stilmittel des Vorgängers auf und erklärt sie mit unverschämten Selbstbewusstsein zum status quo der Dinge, die noch kommen sollten. Clint Eastwood ist wieder der schweigsame Revolvermann ohne Namen (Monco hieß er nur in der deutschen Verleihfassung) und setzt mit steinernem Gesicht und einer Garderobe, die geradewegs aus einem Müllsack in Mexico City geklaubt scheint, neue Maßstäbe der Coolness. Sein Companero ist Lee Van Cleef, ein anderer Veteran des US-Western (u.a. war er einer der Killer in "High Noon"), der mit seiner Hakennase unter den stechenden Augen wie der keineswegs freundliche Papa eines Massenmörders aussieht. Eastwood ist der Pragmatiker per se mit Poncho und mottenzerfressenem Hemd, Van Cleef ist der Stilbewusste. Er trägt stets einen schwarzen Anzug, raucht Pfeife und in einer Decke am Sattel hat er ein Sortiment höchst eigenwilliger Waffen dabei. Beide sprechen nur wenig, oft reicht ihnen ein Grunzen. Und wenn sie sich das erste Mal begegnen, schießen sie sich gegenseitig die Hüte vom Kopf. Die Allianzen des Italo-Western sind rein zweckgebunden, aber es kann nie schaden, dem Anderen bis zuletzt zu misstrauen.
Gian Maria Volontè ist wie schon in "Für eine Handvoll Dollar" der Bösewicht, laut, vulgär und von unberechenbarer Gewalttätigkeit. Beim Duell zückt er eine Taschenuhr, die eine Melodie spielt. Am Ende der Melodie wird geschossen. Ein bizarres Ritual, das den zynischen Humor des Italo-Western gut widerspiegelt. Leone hat, bei aller Lust nach Staub, Schmutz und Bergen von Leichen, viel Humor. Clint Eastwood entzündet sein Streichholz mal auf dem Buckel von Klaus Kinski, ein andres Mal an den Zähnen eines zu frechen Bandidos. Wer aufbegehrt, wird erschossen.
"Für ein paar Dollar mehr" ist sehr lang und seine Geschichte sehr kompliziert. Mit Ausnahme von Eastwood, der als mystischer Todesengel quasi aus dem Nichts geboren scheint, haben alle anderen eine komplexe Biografie, deren Zusammenhänge sich erst im Finale ganz erschließen. Das Land dazu ist weit und staubig, vor allem ist es leer. Leone lässt dem Betrachter immer viel Zeit, einem Reiter oder Banditen zuzuschauen, bevor er dann erschossen wird. Ennio Morricone liefert dazu eine bizarre Musik mit viel Hall- und Echo-Effekten, grunzenden Chören, schrillem Pfeifen und quengelnden Maultrommeln. Der Film ist als Mittelstück von Leone Paella-Trilogie (später Dollar-Trilogie genannt) der frühe Höhepunkt des Italo-Western, der aus einem Minimum an äußerem Aufwand unter Zuhilfenahme von Stilmitteln des Comicstrips ein Maximum an Wirkung erzielt. Dass es noch besser gehen sollte, zeigte sich dann beim Schlußstück der Trilogie: "The Good, the Bad and the Ugly".
Uwe Mies, City-Guide Köln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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zuletzt aktualisiert am 04.10.2001